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Abschluss der Drehgestellrevision

Die von November 2003 bis April 2004 in der BLS-Werkstätte Spiez ausgeführte Drehgestellrevision wurde mit einer ausgedehnten Probefahrt unter Dampf am 22 April abgeschlossen. 

Folgende Arbeiten am Laufdrehgestell wurden ausgeführt:

  • Drehgestell ausgebaut und zerlegt
  • Radreifen reprofiliert
  • Achsschenkel überdreht und poliert
  • Achslagergehäuse vollständig aufgearbeitet
  • Achslagergleitplatten aus Bronze neu angefertigt
  • Achslagerschalen aus Bronze neu angefertigt und mit Weissmetall ausgegossen
  • Achslagerführungen am Drehgestellrahmen aufgearbeitet
  • Drehgestell montiert und wieder eingebaut

Weitere ausgeführte Revisionsarbeiten:

  • Ein Kuppelstangenlager komplett neu aus Bronze angefertigt und mit Weissmetall ausgegossen
  • Ein zweiteiliges Triebstangenlager neu ausgegossen und bearbeitet
  • Alter Feuerrost ausgebaut
  • Neue Rosträger angefertigt und eingebaut
  • Sämtliche rund 200 Roststäbe durch Neue ersetzt

Nach dem Wiedereinbau des Drehgestells am 5. April wurde eine erste Versuchsfahrt geschleppt mit 30 bis 50 km/h von Spiez nach Frutigen und zurück ausgeführt. Anschliessend wurden die Laufachsen auf der Achssenkanlage einzeln wieder ausgebaut und alle Lager leicht nachgearbeitet. Eine weitere Versuchsfahrt geschleppt erfolgte am 6. April wiederum zwischen Spiez und Frutigen. Diesmal wurde bereits mit 50 bis 60 km/h gefahren.

Nach erneutem Nacharbeiten der Lager erfolgte am 13. April eine dritte und letzte Versuchsfahrt geschleppt. Diesmal wurde mit 60 km/h von Spiez bis Kandersteg gefahren. Auf der Rückfahrt konnte die Geschwindigkeit ab Frutigen auf 80km/h erhöht werden. Das Befahren der langen und engen Kurven auf der Lötschberg-Nordrampe zeigte, dass die Stirnseiten der Achslager eine weitere Nacharbeit benötigen. 

Noch während dem erneuten Ausbau der Laufachsen wurden nun die beiden Triebstangen montiert. Das ebenfalls aufgearbeitete rechte Triebstangenlager war vorgängig bereits eingeschabt worden. 
Am 14. April nachmittags waren die Laufachsen fertig eingebaut, somit konnte das Bremsgestänge des Drehgestells angebaut und am 17. April die neuen Roststäbe eingebaut werden. Damit stand dem Beginn des Anheizens am 20. April nichts mehr im Wege. Noch am Vormittag des 20. April wurde das neue Triebstangenlager wegen zu geringem Seitenspiel nochmals ausgebaut und die Stirnseiten nachgearbeitet.
Kurz nach Mittag erfolgte der ersehnte Roll-Out, stilecht wurde die Pacific 01 202 mit der unter Dampf stehenden GTB Ed 3/3 Nr.3 aus der Werkstättehalle über die Schiebebühne zum Anheizen ins Freie gezogen.

Am Mittwoch, 21. April erfolgte eine erste kurze Probefahrt in alleinfahrt von Spiez nach Frutigen und zurück. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem neuen Triebstangenlager. Auf der Rückfahrt von Frutigen nach Spiez wurde mit der möglichen Streckengeschwindigkeit von bis 95 km/h gefahren. Sämtliche Lager und Einrichtungen gaben zu keinen Bedenken anlass. Die eigentliche Probefahrt vom Donnerstag, 22. April führte von Spiez via Thun—Münsingen—Bern—Kerzers—Lyss—Zollikofen—Münsingen—Thun zurück nach Spiez. Als Bremslokomotive wurde der BLS-Triebwagen Be 4/4 „Wellensittich“ mitgeführt. In Münsingen erreichte die Pacific 01 202 eine Höchstgeschwindigkeit von 115 km/h! Beim einstündigen Kontrollhalt in Lyss wurde für die Rückfahrt nach Spiez zusätzlich die Ae 6/8 Nr. 208 sowie ein Flachwagen angehängt. Nach einer ausgiebigen Lagerkontrolle/ Temperaturmessung im Depot Spiez wurde die Revision als abgeschlossen erklärt und die Heimreise nach Lyss konnte wie geplant angetreten werden.